Beiträge von Jungfreisinniger

    Hallo zusammen (duzen ist mir recht)


    Danke für eure freundliche Aufnahme und eure Beiträge. Gleichzeitig entschuldige ich mich, denn meine Antwort ist wieder mal unendlich lang ausgefallen.


    Rollmaterial (@ Dome)
    Ich muss offen sagen, Fragen zum Rollmaterial und ähnlichen technischen Angelegenheiten gehören nicht zu meinen und unseren Stärken. In der Tat sind deshalb solche Probleme ungeklärt.

    Gerade deshalb möchten wir aber mit unserer Petition erreichen, dass all diese Fragestellungen von Personen überprüft werden, die auch wirklich etwas davon verstehen (oben „Bahnprofis“ genannt :)). Eine Petition ist ja nicht dazu geschaffen, eine Idee fix umzusetzen, sondern um ein Anliegen zu prüfen und gegebenenfalls gewisse Schritte vorzunehmen.


    Linienführungen allgemein
    Wir möchten an dieser Stelle und im Zusammenhang mit der Petition die Linienführungen allgemein in Frage stellen. Wir fragen uns, ob es wirklich notwendig ist, fast alle Linien als Querschnittsstrecken durch die Innenstadt (oder über die von uns vorgeschlagene Strecke) laufen zu lassen.


    Es soll an dieser Stelle nicht unbedingt über einzelne Linienführungen spekuliert werden. Wir sind einfach der Ansicht, dass es nicht notwendig ist, derart viele Strecken von mehreren Tramlinien befahren zu lassen. Hier besteht unserer Meinung nach Optimierungspotenzial.


    Als Beispiel sei in Frage gestellt, ob eine identische Linienführung der Trams 1 und 2 zu gewissen Zeiten zwischen Bad. Bahnhof und der Markthalle sinnvoll ist, oder ob sich das nicht anders lösen liesse. Dies soll lediglich ein Anschauungsbeispiel dafür sein, dass man durch eine gewisse Entflechtung wohl einiges optimieren könnte. Wir verbinden damit aber keinen Leistungsabbau, das möchte ich betonen.


    Wie Gränzdrämmler aufgezeigt hat, könnten durch kürzere Trams dort wo die Auslastung nicht so stark ist einiges erreicht werden. Mit den durch die Optimierung eingesparten Mitteln könnten doch erhöhte Frequenzen oder die Ergänzung des Rollmaterials finanziert werden.


    Fragen über Fragen (@ Gummikueh 476)
    Der Schwerpunkt der Diskussion sollte natürlich bei unserer Petition bleiben, ich erlaube mir aber trotzdem die gestellten Fragen rasch zu beantworten:


    1) Trolleybus-Abstimmung
    Ich möchte mir hier nicht anmassen, die Position der Jungfreisinnigen zu vertreten, da wir die Parole dazu erst noch fassen werden.


    Es haben meiner Ansicht nach beide Positionen gute Gründe, dafür und dagegen zu sein. So frage ich mich, ob der entstehende Mehrbedarf an Strom für Trolleybusse vollständig durch die Energieressourcen der IWB gedeckt werden könnte oder ob dann nicht doch Strom von "Aussen" benötigt würde (der evtl. auch nicht ganz "sauber" ist). Andererseits haben die Dieselbusse in Umweltfragen grosse Fortschritte gemacht. Es ist aber halt immer noch Diesel und damit eine endliche Ressource.


    Oder die Frage der aufwändigen Infrastruktur und der damit verbundenen Mehrkosten. Zudem erscheinen Dieslbusse flexibler in Bezug auf Verkehrsstörungen und dadurch verursachte Fahrtwegänderungen. Andererseits scheinen Dieselfahrzeuge gewisse Nachteile bezüglich Geruchs- und Lärmemissionen zu haben. Und auch die Nachhaltigkeitsproblematik muss genau angeschaut werden.


    Wie gesagt, ich möchte diese Frage nicht abschliessend beantworten. Ich und wir werden uns noch genauer damit beschäftigen dürfen und müssen.


    2) öV-Politik der Regierung
    Wir sind überzeugt, dass die sehr guten öV-Verbindungen von Basel ein gewichtiger Standortfaktor sind. Dies darf aber kein Argument sein um allen kritischen Diskussionen über den öV und die Linienführungen auszuweichen. Die Regierung plant im Zusammenhang mit dem Projekt „Innenstadt – Qualität im Zentrum“ die Überprüfung der Linienführungen durch die Innenstadt. Wir unterstützen das, denn wie ich oben dargelegt habe wünschen wir uns gute Verbindungen von allen Teilen Basels und der Umgebung in die Innenstadt und umgekehrt. Teure Doppelspurigkeiten möchten wir aber vermeiden und den Betrieb von unrentablen Linien kritisch auf den wirklichen Bedarf überprüft wissen.


    Die steigende Nachfrage nach dem öV ist eine Tatsache die wir begrüssen. Es sollen aber alle Interessengruppen berücksichtigt werden. So fordern wir als Jungpartei eine Intensivierung des Nachtbus-Verkehrs bzw. einen teilweisen Ersatz der Busse durch Nachtkurse von Trams.


    3) grössere Tram-Ausbauprojekte
    Ich möchte hier keine der zahlreich genannten Ausbauprojekte bewerten. Bevor über solche diskutiert wird, möchten wir ein überarbeitetes Gesamtkonzept der Linienführungen. Solange ein solches nicht vorliegt macht aus unserer Sicht die Projektierung von einzelnen Ergänzungen wenig Sinn und würde nur Mehrkosten verursachen. Wahrscheinlich würde bei allen aufgezählten Projekten ein Bedarf bestehen, allerdings sollten die Kosten und die Rentabilität in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Wie gesagt, der Möglichkeiten gibt es viele, vorher muss aber ein Gesamtkonzept her.


    Lebendige Innenstadt oder Museum? (@ kurduvadi)
    Die Innenstadt steht heute in einer harten Konkurrenzsituation zu den Einkaufszentren in der Peripherie. Das Einkaufen dort ist bedeutend einfacher, man stellt sein Auto ins Parkhaus, kauft ein, verfrachtet seinen Einkauf ins Auto und ab nach Hause. Die Innenstadt kann in dieser Hinsicht nicht mithalten, gerade wenn ein neues Parkhaus an der Aussengrenze der Innenstadt noch viel länger auf sich warten lässt.


    Die einzige Chance, welche die Innenstadt aus unserer Sicht hat, ist die Einzigartigkeit des Ambientes. Das „lädele“ durch die Gassen und Strassen der Innenstadt muss ein positives, entspannendes und befriedigendes Erlebnis sein, so wie ein Einkaufszentrum das nie bieten kann. Wir haben nicht das Gefühl, dass die heutige Situation derart positiv ist.


    Durch unsere Idee soll die sehr gute Anbindung grundsätzlich erhalten bleiben, schliesslich bleiben Barfi und Schifflände weiterhin anfahrbar. Wir erhoffen uns aber durch die Aufhebung der Haltestelle Marktplatz bei entsprechender und ansprechender Gestaltung des neu entstandenen Freiraumes sehr positive Effekte, die sich auf das Wohlbefinden der Basler und somit auch auf deren Konsumlust auswirken. So glauben wir, dass das heute durch die Konkurrenzsituation leidende Gewerbe nur profitieren kann und im Gegensatz zu deiner Ansicht florieren würde. Weil mit dem Auto in die Einkaufszentren fahren die Leute schon heute. Wenn aber nichts geschieht, dann teile ich deine Ansicht, dass die Innenstadt bald zum Museum wird.



    Beste Grüsse


    Luca Urgese
    Vorstand Jungfreisinnige Basel-Stadt

    Liebe Tramfreunde


    Vielen Dank, dass ihr euch so intensiv mit unserer Idee auseinandersetzt. Gerne möchte ich zu den geäusserten Anmerkungen Stellung nehmen und mit euch die Diskussion suchen. Ich werde dabei versuchen, meinen Beitrag möglichst übersichtlich zu gestalten, was angesichts der Vielzahl von Forums-Einträgen eine Herausforderung ist.


    Das Projekt
    Zunächst erlaube ich mir, in der gebotenen Kürze nochmals das Projekt zu schildern. Die Jungfreisinnigen Basel-Stadt möchten eine attraktive Innenstadt. Wir sind der Ansicht, dass der Tramverkehr durch die Falknerstrasse/Gerbergasse das gemütliche Flanieren behindert. Deshalb möchten wir die Tramlinien statt beim Barfüsserplatz um die Ecke Richtung Marktplatz den Kohlenberg hinauf führen, den Petersgraben wieder hinab und bei der Schifflände zurück auf die heutige Linienführung. Dadurch kann im Bereich zwischen Barfüsserplatz und Schifflände ein echt verkehrsfreier Freiraum geschafft werden, der attraktiv ist und zum Verweilen einlädt.


    Eine echte Fussgängerzone
    Ich möchte hier betonen, dass wir uns NICHT gegen den öV aussprechen. Wir möchten niemandem das Tram wegnehmen. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass das sehr gut ausgebaute Liniennetz von Basel ein wesentlicher Standortfaktor ist. Ebenso sind wir aber der Ansicht, dass auch andere Verkehrsmittel ihre Daseinsberechtigung haben. Dementsprechend sollen rund um die von uns gewünschte Fussgängerzone genügend Möglichkeiten bestehen, mit Tram, Velo, Bus und Auto hinzufahren. Die Fussgängerzone selber aber möchten wir – wie der Name schon sagt – den Fussgängern vorbehalten.


    Die Sache mit den Einkaufstaschen
    Wie bereits gesagt, soll lediglich die Haltestelle Marktplatz unserem Projekt zum Opfer fallen. Der Weg mit von der Freien Strasse mit der Einkaufstasche a) zur Schifflände, b) zum Barfi oder c) zum Bankverein sind nur unwesentlich länger oder sogar kürzer als der Weg zum Marktplatz. Niemand muss also seine Tragtaschen bis zur Universität hinauf schleppen!


    Andere Städte
    Der Vergleich mit Bern, Zürich und Freiburg hinkt. In Bern befinden sich die Läden in einer Passage. Dies stellt eine klare Abgrenzung zur Strasse dar, wobei diese breiter ist als die Falknerstrasse/Gerbergasse. Auch in Zürich ist die Bahnhofsstrasse etwa dreimal so breit und von Bäumen gesäumt, sodass Fussgänger trotzdem genügend Raum haben sich in grosser Menge auf dem Trottoir zu bewegen. Das schmale Trottoir in Basel kann hier nicht mithalten. Und schliesslich hat auch Freiburg um ein vielfaches breitere Strassen. Mich würde das Tram auch nicht stören, wenn ich links und rechts davon jede Menge Platz hätte. Die engen Gassen aber machen gerade den Charakter von Basels Innenstadt aus, nur das Tram hat da leider keinen Platz, ohne das „Lädele“ zu verunmöglichen (siehe dazu auch die Clarastrasse).


    Die Fotomontagen
    Fotomontagen bergen die Gefahr in sich, dass die Leute erwarten die Sache werde genauso und nicht anders umgesetzt. Wir wollten damit der Bevölkerung ermöglichen sich ein Bild davon zu machen, wie wir uns das ungefähr vorstellen. Für eine hochprofessionelle Montage mit allen Details hat unsere Portokasse leider nicht ganz gereicht, weshalb auch noch solche Ungereimtheiten wie die DFI finden lassen. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man übrigens, das wir das heutige Barfi-Tramhäuschen kurzerhand in ein Restaurant umfunktioniert haben (man beachte die Stühle).


    Die Pläne der Regierung
    Der Regierungsrat möchte die Innenstadt zu einer echten Fussgängerzone machen. Dazu hat sie kurzerhand für 1 Million Franken den Kohlenberg und den Münsterhügel dazu erklärt. Wir stellen uns unter einer „echten Fussgängerzone“ etwas anderes vor. Nämlich eine flächendeckende verkehrsfreie Zone.


    Der finanzielle Aspekt
    Wie der baz-Artikel von heute zeigt, wurde die Kalkulation, was denn die Umsetzung unserer Idee tatsächlich kosten würde, nie gemacht. Wir fordern, dass dies nachgeholt wird. Es wurden und werden unzählige Millionen in die Umgestaltung von Plätzen und Strassen gesteckt, die am Ende meist schlimmer sind als sie es vorher waren (Bsp. Clarastrasse). Wir sind überzeugt, dass der finanzielle Aufwand für das Verlegen von Tramschienen von der Haltestelle Universität bis zur Schifflände in dieser Relation nicht so hoch ist, wie er auf den ersten Blick erscheinen mag. Alles soll gestalterisch verschönert werden, nur beim Stadtherz werden wir knauserig?


    Fazit
    Wir propagieren (und das übrigens seit unserer Gründung vor 53 Jahren) das Anliegen einer attraktiven Innenstadt, die den Fussgängern Raum zum flanieren und zum verweilen bietet. Mit unserem Vorschlag bieten wir eine Idee, wie sich dies aus unserer Sicht realisieren liesse. Wir agieren nicht gegen das Tram sondern für die Fussgänger. Es würde uns sehr freuen, in einen konstruktiven Dialog mit euch zu treten. Denn wenn wir nur einen Teil davon erreichen, hat Basel als Standort viel gewonnen!



    Beste Grüsse


    Luca Urgese
    Vorstand Jungfreisinnige Basel-Stadt