[BL: Parlamentarischer Vorstoss] Zukunft der Traminfrastruktur im Kanton Basel-Landschaft: Flächeneffizienz durch Zweirichtungsfahrzeuge und die Perspektive des autonomen Fahrens

  • Die effiziente Nutzung von Boden und Raum ist eine der drängendsten Aufgaben der kantonalen
    Raumplanung. Angesichts von akutem Platzmangel in urbanen und agglomerationsnahen Gebieten
    müssen auch Infrastrukturen des öffentlichen Verkehrs fortlaufend auf ihre Flächeneffizienz hin
    überprüft werden.

    Die Baselland Transport AG (BLT) setzt auf ihrem Tramnetz historisch bedingt fast ausschliesslich
    auf sogenannte Einrichtungsfahrzeuge. Diese Trams verfügen nur über einen Führerstand und Türen
    auf einer Seite. Dies zwingt das Unternehmen dazu, an den Endpunkten der Linien grossflächige
    Wendeschlaufen (oft auch als „Traumschlaufen“ bezeichnet) zu betreiben. Diese Schlaufen
    blockieren erhebliche Mengen an wertvollem Kulturland oder potenziellem Bauland, das für Wohnraum,
    Gewerbe oder öffentliche Parks genutzt werden könnte.

    Dass es auch anders geht, zeigt das jüngste Leuchtturmprojekt des Kantons: Die komplett modernisierte
    Waldenburgerbahn (Linie 19). Mit der Umspurung auf 100 mm und der Beschaffung modernster
    Zweirichtungsfahrzeuge (Tramlink) wurde bewiesen, dass ein moderner, leistungsstarker
    Betrieb dank Führerständen an beiden Enden keinerlei Wendeschlaufen mehr benötigt. Die Züge
    wenden dort platzsparend über einfache Gleiswechsel.

    Gleichzeitig steht die Schienenbranche vor dem grössten technologischen Wandel seit Jahrzehnten:
    dem fahrerlosen bzw. autonomen Fahren. Während autonome Systeme in geschlossenen UBahn-
    Systemen längst Standard sind, schreitet die Entwicklung bei Strassenbahnen rasant voran.
    Assistenzsysteme zur Kollisionswarnung gehören bereits zum Alltag, das autonome Rangieren im
    Depot steht vor der Marktreife. Sobald Trams vollautonom verkehren, fällt das Argument des Platzverlustes
    durch einen zweiten Führerstand im Fahrgastraum komplett weg. Ein autonomes Fahrzeug
    benötigt gar keinen physischen Führerstand mehr und kann flexibel in beide Richtungen
    steuern.

    Weiter zum Geschäft geht es unter dem folgenden Link:

    https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/landrat-parlament/geschaefte/geschaefte-ab-juli-2015?url=https%3A%2F%2Fbaselland.talus.ch%2Fde%2Fpolitik%2Fcdws%2Fgeschaeft.php%3Fgid%3D8db7f745868c4d739e75c5f17c0535d4

  • Alle paar Jahre die immer gleichen Diskussionen: Bei einem Wechsel bräuchte es Türen auf beiden Seiten, und die Anzahl Sitze in Fahrtrichtung würde sinken. Finde ich alles andere als attraktiv.

  • Alle paar Jahre die immer gleichen Diskussionen: Bei einem Wechsel bräuchte es Türen auf beiden Seiten, und die Anzahl Sitze in Fahrtrichtung würde sinken. Finde ich alles andere als attraktiv.

    Und vorallem müsste man die grad erst beschaften Tinas wieder ersetzen und die welche jetzt grad erneuert werden auch.

  • Was oft vergessen geht: Viele Schlaufen entlang der Strecken lassen sich bei einer Umstellung auf Zweirichtungsfahrzeuge nicht einfach durch Gleiswechsel ersetzen: Für den Endaufenthalt bräuchte es separate Wendegleise, die ebenfalls Platz benötigen. Beispiel Ettingen: Dort hätte man dann eine viergleisige (zwei Streckengleise und zwei Wendegleise) bzw. sogar fünfgleisige Anlage (inkl. das heutige Gleis für Unterhaltsfahrzeuge).

  • Was oft vergessen geht: Viele Schlaufen entlang der Strecken lassen sich bei einer Umstellung auf Zweirichtungsfahrzeuge nicht einfach durch Gleiswechsel ersetzen: Für den Endaufenthalt bräuchte es separate Wendegleise, die ebenfalls Platz benötigen. Beispiel Ettingen: Dort hätte man dann eine viergleisige (zwei Streckengleise und zwei Wendegleise) bzw. sogar fünfgleisige Anlage (inkl. das heutige Gleis für Unterhaltsfahrzeuge).

    Bestehende Schlaufen ersetzen, wäre Blödsinn. es geht in erster Linie darum, keine neuen Schlaufen zu erstellen.

    Es müssen auch keine Fahrzeuge umgebaut werden, lediglich bei Neukauf eine bestimmte Anzahl Zweirichtungswagen zu beschaffen.

    Wie? siehe Bern

  • Ich weiss nicht warum das Thema Sitzplätze so thematisiert wird.

    Mal zurück in die Vergangenheit :

    Fast jedes Fahrzeug hatte beidseitig Türen, zu Einrichtungswagen umgebaute erhielten lediglich (selten genutzte) Klappsitze.

    Wenn Sitze geopfert werden, dann auch zu Gunsten von Stehplätzen.

    Man könnte meinen, es werden nur Sitzplätze angeboten. Oftmals sind freie Sitzplätze vorhanden, doch viele Fahrgäste ziehen Stehplätze vor.

  • Ehrlich gesagt bin ich auch eher der Zwei-Richtung-Fan. Und ich getraue mich schon fast nicht mehr, mich zu wiederholen :)

    Klar, es gibt immer das Problem, dass eine Umstellung zu einem bestimmten Zeitpunkt erst mal fast nur Nachteile verursacht und von dem her kurzfristig gesehen nie sinnvoll sein kann.

    Wenn man aber über Basel (das nun mal nicht das Zentrum der Welt ist) hinaussieht, dann werden, etwa in Deutschland, deutlich mehr Netze von Ein- auf Zweirichtung-Betrieb (zurück) umgestellt als umgekehrt. Selbst nur in der Schweiz ist das Netz in Genf gemischt. In Bern gibt es eher die Strategie, dass es zwar an allen Endhalten Schlaufen gibt, aber es für Störungen und Umleitungen denoch (auch nach Ausrangierung älterer Worbähnlis) eine gewisse Anzahl Zwei-RIchtungs-Fahrzeuge geben soll. In Zürich gibt es die Zweirichtung-Limmattalbahn. Von dem her ist Basel das letzte "Total-Einrichtung-Gallisches-Dorf" in der Schweiz.

    Und ein grösserer Teil der Oldtimer-Fahrzeuge (die nicht auf Ein-Richtung "kastriert" wurden) hätte damit auch kein Problem.

    Kurzfristig könnte man aber in so fern profitieren, dass mit einem erst vielleicht nur begrenzem Anteil an Zweirichtungsfahrzeugen flexiblere Umleitungen bei Störungen möglich sind (siehe Bern). Der 3er von Saint-Louis könnte während der Fasnacht z.B. bis Universität verkehren oder der 6er aus Allschwil bis Heuwaage. Oder man könnte einfacher neue Einsatzlinien ohne Schlaufe eröffnen. Oder ein bestehende Linie mal relativ einfach nur um eine Haltestelle verlängern, ohne dass es ein Riesenprojekt braucht. Und bei Haltestellen mit Perrons auf beiden Seiten könnten zur Verbesserung des Fahrgastfluss die Türen in beiden Richtungen geöffnet werden (etwa auf den beiden äusseren Gleisen auf dem Centralbahnplatz).

    Neuere moderne Tramfahrzeuge werden ja ohnehin erstmal auf Zweirichtung-Betrieb entworfen. Dass man die Hälfte der Türen und Führerstände danach wieder entfernt, ist eher eine nachträgliche Anpassung. Und dank dem Niederflur-Prinzip ist das eher einfacher als früher, da der Unterboden ohnehin flach und vom Tür-Design unabhängig ist.

    Das Problem ist halt immer die lang- oder kurzfristige Betrachtungsweise. Kurzfristig mit Inbrachtnahme der Situation in Bottmingen oder Ettingen bin ich völlig damit einverstanden, dass es wenig bringt. Aber langfristig (über Jahrzehnte) wäre der Vorteil vielleicht doch grösser.

  • Ich gehe schwer davon aus, dass die BVB die Frage Einrichtungs-/Zweirichtungsfahrzeuge (auch als Teilflotten) im Vorfeld der mittlerweile abgebrochenen Trambeschaffung intensiv geprüft hatte.

    Aber beim oben verlinkten Vorstoss ist ja eigentlich offensichtlich, worum es geht: Um die neu zu erstellende Schlaufe der BLT in Bottmingen. Zweirichtungsfahrzeuge würden auf dieser Strecke dann ganz einfach bedeuten, dass man als Fahrgast zum Beispiel in der Morgenspitze Richtung Stadt bereits ab Oberwil stehen muss, während man mit Einrichtungsfahrzeugen erst ab Binningen keinen Sitzplatz mehr findet. So macht man den ÖV definitiv nicht attraktiver.