"Go Basel go!": Volksinitiative will eine Basler Innenstadt ohne Tramverkehr

  • Ich weiss ja nicht, wie eure erste Reaktion auf diese (nicht ganz neue) Idee war ... ? Aber vermutlich wie meine: "Ach nein, ..., nicht schon wieder, ..., das hatten wir doch, .... und wie soll das funktionieren?"

    Wenn man so diese erste persönliche "Abwehrreaktion" setzen lässt, dann fängt man doch an, die Idee gar nicht so abwägig zu finden. So zumindest erging es mir. Es gibt genug Beispiele von Innenstädten, in welchem das Hauptzentrum verkehrsfrei ist. Das dies eine Bereichung bedeuten kann, kann nicht bestritten werden. Ich sage explizit "kann".

    Aber: Wenn man schon eine "Flaniermeile" schaffen möchte, dann müssten doch ein paar Grundvoraussetzungen geschaffen und auch die entsprechenden Nachteile benannt werden:

    • Fahrräder & Co. (also insbesondere auch diese leidigen eScooter in jeglicher Bauart) haben in einer Flaniermeile nichts zu suchen. Entweder will man eine "Wohlfühl-und Begegnungs-Oase" schaffen, oder man nimmt Konflikte zwischen Fussgänger und Radfahrer weiterhin in Kauf (aktuell herrschen zwischen Schifflände und Barfüsserplatz schon fast anarchische Zustände).
    • Man muss sich bewusst sein, dass der ÖV möglicherweise unattraktiver wird. Die Umfahrungen des Zentrums entweder via Kohlenberg-Petersgraben-Schifflände oder via Kunstmuseum-Wettsteinbrücke-Claragraben-Schifflände führen zu einer Fahrzeitverlängerung und damit unter Umständen (je nachdem, wei stark man am Liniennetz ändern will) uch zu einer Erhöhung der benötigten Kurse (Fahrdienstmitarbeitende und Fahrzeuge).
    • Umsetzung Bauprojekte "Petersgraben" und "Claragraben"
    • Die Haltestelle "Barfüsserplatz"in der Kohlenberg-Steigung müsste verschoben werden. Diese könnte durchaus vor das Spielzeugweltenmuseum in der "Ebene" verlegt werden. Damit entfällt auch die Problematik "BeHiG" im Gefälle.

    Ich gehe davon aus, dass die erforderlichen 3'000 Unterschriften für das Zustandekommen der Initiative relativ rasch gesammelt werden. Danach beginnt dann der politische und gesellschaftliche Diskussionsprozess, inkl. der gesamten Finanzierungsfrage.

    Den Entscheid für eine ÖV-freie-Achse zwischen Barfi und Schifflände würde sicherlich einfacher fallen, wenn der S-Bahnhalt "Mitte" aus dem Herzstückprojekt realisiert würde. Aber hier wird der Zeithorizont wohl so lange nach hinten geschoben, dass ich das nicht mehr erleben werde .... :(

    Einmal editiert, zuletzt von 4106 (20. Oktober 2025 um 15:50)

  • Wenn ich lese wer bei dem Komitee dabei ist wird mir speiübel. Was soll ich in dieser Stadt einkaufen, wenn sämtliche Transportmittel in die Peripherie verbannt werden? Wünsche dann viel Vergnügen beim Schlendern durch die Strassen der geschlossenen, weil konkursiten Ladengeschäfte.

    Gruss
    Christian

  • Ist es korrekt, dass BVB und BLT das Anliegen der Initiative (also die Aufhebung der Strecke Barfüsserplatz - Schifflände) unterstützen, oder ist das ein Fehler im SRF-Beitrag?

    Dieser "Spoiler" ist wohl etwas unglücklich platziert und soll lediglich Infos zur BVB und BLT zeigen.

  • Im SRF-Beitrag steht aber explizit: [Das Komitee)] ist breit abgestützt. Dazu gehören neben Vertretungen der beiden betroffenen Verkehrsbetriebe Verkehrsplanerinnen, Politikerinnen und Politiker von rechts bis links und Architekten.

    Man muss sich bewusst sein, dass der ÖV möglicherweise unattraktiver wird.

    Und teurer.

    Die Haltestelle "Barfüsserplatz"in der Kohlenberg-Steigung müsste verschoben werden. Diese könnte durchaus vor das Spielzeugweltenmuseum in der "Ebene" verlegt werden. Damit entfällt auch die Problematik "BeHiG" im Gefälle.

    Die Verlegung der Haltestelle Barfüsserplatz in den Steinenberg und somit direkt an den Theaterknoten dürfte betrieblich nur mit einer deutlichen Reduktion der Anzahl Tramlinien funktionieren.

    Und dann muss man natürlich auch noch festhalten, dass die Visualisierungen nicht ganz ehrlich sind: Im Blumenrain ist kein einziges Tram zu sehen, obwohl gerade dort die Belastung massiv zunehmen wird. Der Shuttlebus (aus meiner Sicht eine Alibi-Lösung, da viel zu kurz für eine Linie) taucht ebenfalls nirgends auf. Ausserdem könnten etliche Bäume, z. B. im Nordteil des Marktplatzes auch unabhängig vom Trambetrieb gepflanzt werden.

    Kritisch sehe ich ausserdem, dass die - ich nenne sie mal Tramgegnerpartei - LDP im Initiativkommitee mitwirkt (oder hat dort ein Gesinnungswandel stattgefunden)?

  • Wenn es mal ein Claragraben- und Petersgraben- und "30er"-Tram und am besten auch noch das Herzstück gäbe, könnte man ja allenfalls mal evaluieren, ob man evtl. auf die Tramstrecke Barfüsserplatz-Schifflände verzichten könnte. Innert 5-6 Jahren, wie von der Initiave gefordert, wird das aber kaum der Fall sein ...

    Ich hoffe ja sehr, dass die LDP in diesem Falle dann für diese Strecken ist.

    Ich habe schon ein wenig das Gefühl, dass das eine Schwindel-Initiave ist, auf die offenbar auch manche, von denen ich es nicht erwartet hätte, hineinfallen. Wenn das Tram von dort weg ist, wird man die Umfahrungsstrecken trotzdem bekämpfen. Und dann wird man dann sagen können, so machen Trams grundsätzlich keinen Sinn mehr ...

    Die Argumente betreffend Demonstrationen unterstützen ja sicher den Bau von neuen Strecken. Aber kaum die Aufhebung von bestehenden Strecken. Denn je mehr Strecken es gibt, desto flexibler kann man doch sein und kürzere Umleitungen haben.

    Dass man die "Innerstadt"-Strecke Barfüsserplatz-Schifflände entlasten sollte kann ich absolut unterstützen. Aber sicher nicht eine komplette Aufhebung.

    Das Gute daran sollte ja immerhin sein, dass LDP und Co. Clara- und Petersgraben-Tram somit nun absolut unterstützen müssten. Aber ich fürchte, dass die nicht wirklich konsequent sind ...

  • Ich sehe das ganze Projekt auch etwas kritisch.

    Eine Verkehrsfreie Innenstadt wünscht sich sicherlich jeder, wobei ich finde, dass der Trambetrieb/ÖV-Betrieb nicht sonderlich störend ist. Da fände ich Autoverkehr deutlich schlimmer.


    Grosses Problem sehe ich, weil einerseits sind keine nennenswerten Umleitungsstrecken vorhanden, noch wird man die jetzt so schnell bauen können. Und via Wettsteinplatz soll ja auch nicht alles fahren. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass man die Innenstadt (der Abschnitt Bahnhof SBB - Schifflände) entlasten sollte - aber mit einer grösseren Verteilung der Tramlinien. Nicht einfach alle jetzt fahrenden Tramlinien auf einen neuen Schienenstrang verlagern. Löst die Probleme nicht.


    Besonders schwierig finde ich dabei, dass man nun dabei ansetzt, den öV auch aus der Innenstadt zu verdrängen. Ich meine ja, irgendwo müssen alle diese Menschen befördert werden - und der Abschnitt ist ja wirklich nicht von tiefer Auslastung...

  • Solange nicht mindestens die Verbindung im Petersgrabe fertiggestellt ist, würde ich mir da keine Sorgen machen.

    Leider steht im eigentlichen, bei einer Annahme verbindlichem, Initiavtext nichts vom Petersgraben:

    "Er (der Staat) trifft die notwendigen Massnahmen, damit kein öffentlicher Verkehr auf der zentralen Innenstadtachse verkehrt und diese frei von Tramgleisen ist. Zulässig sind öffentliche Mobilitätsangebote zur internen Erschliessung. Die Anbindung des Barfüsserplatzes via Steinenberg und Kohlenberg sowie der Schifflände an das Netz des öffentlichen Verkehrs bleibt gewährleistet."

    Wenn die Initiave angenommen würde, müssten die Geleise also entfernt werden, egal ob es bereits nahräumige Umfahrungsmöglichkeiten gibt oder nicht.

  • Mal ganz ehrlich: Das ist doch eine perfide Art, das Tram in Basel auf Raten abzuschaffen!!!

    Genau darum geht es. Michael Hug, der Präsident des Initiativkomitees gehört der LDP an. Und wie sich die LDP den ÖV in Basel vorstellt kann dem untenstehenden Auszug aus einem Votum von Adrian Iselin, ebenfalls LDP, anlässlich einer Grossratssitzung entnommen werden. Die LDP ist gegen das Petersgrabentram, gegen ein Tram 30, gegen die Claragrabenverbindung usw.

    Zitat: "Es wird argumentiert, dass Trams flächeneffizienter und kapazitätsstärker seien als Busse. Doch moderneMobilitätslösungen wie autonome Midibusse im Schwarmbetrieb, also kleinere selbstfahrende Busse, die sich je nach Bedarf zusammenschliessen oder aufteilen, oder Bus Rapid Transit-Systeme mit virtuellen Haltestellen, das sind Schnellbuslinien mit digital gesteuerten Haltepunkten statt fester Infrastruktur, bieten heute bereits vergleichbare Kapazitäten und das bei gleichzeitig höherer Flexibilität und geringeren Infrastrukturkosten. Diese Systeme benötigen keine Schienen, keine Oberleitungen und lassen sich dynamisch an die Nachfrage anpassen. Auch induktiv geladene E-Busse, die kabellos über im Boden verbaute Ladeeinheiten mit Strom versorgt werden, können im Minutentakt verkehren, ohne Strassenraum dauerhaft zu blockieren.

    Das Ziel, den motorisierten Individualverkehr bis 2037 um ein Drittel zu reduzieren, lässt sich auch mit intelligenter Verkehrssteuerung, On-Demand-Mobilität, also Verkehrsmittel, die flexibel per App gerufen werden können, statt mit fixem Fahrplan zu fahren, und digitalen Mobilitätsplattformen erreichen. Städte wie Helsinki oder Hamburg zeigen, wie autonome Fahrzeuge, Mobility as a Service, ein Konzept, bei dem verschiedene Verkehrsmittel über eine einzige App gebucht und bezahlt werden können, und verkehrslenkende KI-Systeme den Umstieg vom Auto auf den EV fördern, ohne neue Schienenzu verlegen."

  • Genau darum geht es. Michael Hug, der Präsident des Initiativkomitees gehört der LDP an. Und wie sich die LDP den ÖV in Basel vorstellt kann dem untenstehenden Auszug aus einem Votum von Adrian Iselin, ebenfalls LDP, anlässlich einer Grossratssitzung entnommen werden. Die LDP ist gegen das Petersgrabentram, gegen ein Tram 30, gegen die Claragrabenverbindung usw.

    Zitat: "Es wird argumentiert, dass Trams flächeneffizienter und kapazitätsstärker seien als Busse. Doch moderneMobilitätslösungen wie autonome Midibusse im Schwarmbetrieb, also kleinere selbstfahrende Busse, die sich je nach Bedarf zusammenschliessen oder aufteilen, oder Bus Rapid Transit-Systeme mit virtuellen Haltestellen, das sind Schnellbuslinien mit digital gesteuerten Haltepunkten statt fester Infrastruktur, bieten heute bereits vergleichbare Kapazitäten und das bei gleichzeitig höherer Flexibilität und geringeren Infrastrukturkosten. Diese Systeme benötigen keine Schienen, keine Oberleitungen und lassen sich dynamisch an die Nachfrage anpassen. Auch induktiv geladene E-Busse, die kabellos über im Boden verbaute Ladeeinheiten mit Strom versorgt werden, können im Minutentakt verkehren, ohne Strassenraum dauerhaft zu blockieren.

    Das Ziel, den motorisierten Individualverkehr bis 2037 um ein Drittel zu reduzieren, lässt sich auch mit intelligenter Verkehrssteuerung, On-Demand-Mobilität, also Verkehrsmittel, die flexibel per App gerufen werden können, statt mit fixem Fahrplan zu fahren, und digitalen Mobilitätsplattformen erreichen. Städte wie Helsinki oder Hamburg zeigen, wie autonome Fahrzeuge, Mobility as a Service, ein Konzept, bei dem verschiedene Verkehrsmittel über eine einzige App gebucht und bezahlt werden können, und verkehrslenkende KI-Systeme den Umstieg vom Auto auf den EV fördern, ohne neue Schienenzu verlegen."

    "autonome Midibusse", "digital gesteuerte Haltepunkte", "On-Demand-Lösungen", "Mobility as a service", "verkehrslenkende KI-Systeme"...

    Ich habe den leisen Verdacht, jemand hat entweder zu viele Sci-Fi-Filme geschaut oder Management-Bücher gelesen, oder im schlimmsten Fall beides gleichzeitig.